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Veröffentlicht am 09.06.2017
Joja Schott veröffentlicht mit seinem fünften Roman einen Geschichtskrimi
 
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Traumatisches am friesischen Meer

Ulrike Schumacher und Petra Scheller 03.06.2017 0 Kommentare
 
Joja schott © Ulrike Schumacher
2010 erschien Joja Schotts erster Roman. Sieben Jahre später hält der Autor, der im Hauptberuf Landschaftsgärtner ist und mit richtigem Namen Joachim Janssen heißt, Nummer fünf in der Hand. (Ulrike Schumacher)

Seit einiger Zeit besucht der 55-Jährige die Meisterschule in Bad Zwischenahn. Das hält ihn aber nicht davon ab, sich unter seinem zweiten Namen noch ein Pensum Zusatzarbeit aufzuladen. Dabei heißt er Joja Schott und ist Autor dicker Bücher. Gerade ist sein fünftes Werk erschienen. „Ich hatte wieder die Idee, mich in jemanden zu verwandeln, der über die geschichtlichen Wurzeln Zugang zu einem Ort und zu den dort lebenden Menschen findet“, erzählt er.

Dieses Mal hat er sich die Geschichte seiner Heimat zum Thema gesetzt. Joachim Janssen ist im ostfriesischen Upgant-Schott aufgewachsen, was ihn zu seinem Pseudonym animierte. Später lebte er für längere Zeit in Oldenburg. Vor sechs Jahren zog der Landschaftsgärtner dann nach Lilienthal. Im Jahr 2010 erschien sein erster Roman. Seitdem hat ihn die Schreiblust nicht mehr losgelassen. Anfangs waren es die Themen Umwelt und Gesellschaft, die er schreibend anpackte, seit zwei Jahren interessieren ihn geschichtliche Hintergründe. So näherte sich der Lilienthaler in dem letzten Buch seinem neuen Wohnort. Und so geht er jetzt mit Roman Nummer fünf zurück an den Ort seiner Kindheit.

Joja schott © Ulrike Schumacher
Joja schott (Ulrike Schumacher)

Schreiben ist Entspannung

Der Protagonist seiner Geschichte heißt Fredo Gärtner. Der einst angestrebten Karriere als Bauingenieur kehrt er den Rücken, „um sich einem neuen Leben im ländlichen Ostfriesland zuzuwenden“, erzählt der Autor, der nach wie vor Umweltproblematiken in seine Bücher mit einfließen lässt. „Auslöser für Fredos Entschluss ist ein neues Bauvorhaben im Naturschutzgebiet Großes Meer, das er nicht mittragen möchte.“ Fredo beschließt, zusammen mit seiner Freundin einen Resthof zu renovieren und dort eine Pension für Radler zu betreiben. Um seine, in der Gegenwart lebende Hauptfigur mit dem geschichtlichen Thema in Verbindung zu bringen, lässt der Autor Artefakte aus der Zeit der Friesischen Freiheit mit ins Spiel kommen. Sie fallen Fredo Gärtner in die Hände – und rufen traumatische Erlebnisse wach. „So wird aus der Handlung auf einmal ein Krimi“, verrät Joja Schott.

Seit Joachim Janssen vor sieben Jahren die Schreibwut packte – anders kann man es nicht nennen – sind seine Bücher stets mehrere Hundert Seiten lang. Das neueste Werk zählt gut 400 Seiten. Es ist als Hardcover im Persimplex Verlag erschienen und kostet 18,60 Euro. Es gibt Autoren, die schlagen sich mit ihren Werken herum, die hadern mit jedem Satz, wenn nicht sogar mit jedem Wort. Der Lilienthaler kennt das nicht. Wenn er sich vom Landschaftsgärtner Joachim Janssen in den Schriftsteller Joja Schott verwandelt und an seinem Laptop sitzt, um seine Geschichte voranzutreiben, dann ist das für ihn Entspannung.

„Man darf das Romane-Schreiben nicht als Arbeit betrachten“, erklärt er. Für ihn steht die Lust am Formulieren im Vordergrund. Das Schreiben, sagt der Autor, sei für ihn erholsamer Ausgleich zum körperlich anstrengenden Beruf. „Ich setze mich hin und es fließt so aus mir heraus.“ Seine Geschichten würden sich inzwischen direkt beim Schreiben entwickeln.

Seit einem halben Jahr hat sich der Lilienthaler Autor den Borgfelder Textmachern angeschlossen, die sich ihre selbst verfassten Texte gegenseitig vorstellen. Die zehnköpfige Gruppe trifft sich regelmäßig zum Austausch in privaten oder öffentlichen Räumen. Sie ist Teil des Borgfelder Kulturforums und stets offen für Interessierte, Neugierige und Gäste. Ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren treffen während der Lesungen aufeinander. Darunter Kalligraphen, Dichter, Sachtext- und Kinderbuchautorinnen oder Übersetzer. Der feste Kern der Textmacher sind Profis, Semiprofis oder absolute Laien, die ihre ersten selbst verfassten Texte zum allerersten Mal in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Textmacher seien stets offen für Kritik und Fragen rund um den Literaturbetrieb.

Das nächste öffentliche Treffen findet in der Borgfelder Jacobs-Stube im Stiftungsdorf in der Daniel-Jacobs-Allee 1 statt. Am Freitag, 9. Juni, ab 15 Uhr, stellt Initiator Jürgen Linke dann eine fiktive, märchenhafte Kurzgeschichte aus seiner Feder vor. Der Borgfelder Autor Wolfgang Marschall wartet mit humorvollen Erzählungen sowie neueren und älteren Texten auf.

Joja Schott schätzt die Anregung, die er aus dem Kreis erhält. „Es gibt immer Meinungen, die einem weiterhelfen“, findet er. Der Stoff dafür wird ihm nicht ausgehen. Der nächste Roman ist gedanklich schon formuliert. Die ersten 50 Seiten sind bereits niedergeschrieben. „Ich möchte dieses Thema fortsetzen“, kündigt Joja Schott an. An Ideen für viel Spannung mangelt es dem Lilienthaler nicht. Jetzt kommt erstmal die Meisterprüfung. Danach ist dann wieder Zeit für die Helden seiner Romane.